„Embrace – Du bist schön“ Filmstart 11.5.2017

Wie hochsensible Frauen ihren Körper liebevoll annehmen können.

 

Am 11. Mai 2017 kommt der Dokumentarfilm „Embrace- Du bist schön“ ins Kino. Die deutsche Schauspielerin Nora Tschirner war bei der Entstehung als Produzentin dabei. Als ich die Vorschau zu dem Film sah, spürte ich, dass dieses Werk wichtig für das kollektive Bewusstsein von uns Frauen ist. In einer Talkshow sprach Nora Tschirner davon, dass über 90 Prozent aller Frauen unzufrieden mit ihrem Körper sind. Diese Zahlen schockieren. Wie kann es sein, dass so viele Frauen sich hässlich finden? Die einen fühlen sich zu dick, die anderen hadern mit ihren Schwangerschaftstreifen, mit ihrem Po, mit ihren Brüsten, den Haaren usw. Die Liste ist lang. Der Blick in den Spiegel wird für viele Frauen jeden Morgen zu einer schmerzhaften Selbstverurteilung.

Persönliche Erinnerungen an meine Jugend als „Bohnenstange“

Ich kenne dieses Problem aus eigener Erfahrung. Schon als Schulkind und später in der Pubertät war ich auffallend dünn und schmächtig. Egal was ich aß, ich blieb immer extrem schlank. So kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass Dünn sein gar nicht das Schönheitsideal ist, dem wir kollektiv nachstreben. Ich wurde als „Bohnenstange“ usw. verspottet, hatte mit 16 fast keine weiblichen Kurven. Ich litt sehr darunter und empfand mich viele Jahre nicht als „richtige Frau“. Erst mit Anfang zwanzig fand ich nach und nach zu einer besseren Selbstannahme, weil ich durch Frauengruppen ermutigt wurde, mich selbst so zu akzeptieren wie ich bin.

Was den gesellschaftlichen Druck ausmacht, ist nicht die Frage ob schlank oder dick, sondern ein Schönheitsideal von 90, 60, 90. Alles, was dieser angenommenen Idealfigur abweicht, fällt negativ auf. Dies mag vielen übergewichtigen Mädchen und Frauen jetzt unglaublich erscheinen, doch so habe ich es erlebt. Deshalb geht es nie darum, welches Gewicht eine Frau hat, sondern wie das Gesamterscheinungsbild daherkommt. Und genau aus diesem Grund finden Frauen immer etwas, das sie an sich nicht schön finden. Dann sind es eben die zu kleinen Brüste, oder die zu dünnen Haare, oder der zu große oder zu kleine Po. Jede Frau hat ihre „Problemzonen“ und kann irgendwann gar nicht mehr die eigene Schönheit erkennen. Der Fokus richtet sich zu sehr auf die Nachteile.

Das Ergebnis: Die Frauen fühlen sich hässlich und nicht liebenswert.

Filmtrailer zu „Embrace. Du bist schön“

von Taryn Brumfitt, Nora Tschirner

Nicht allein die Modeindustrie ist die Triebfeder für dieses Phänomen

Hochsensible Frauen bilden bei diesem Thema keine Ausnahme. Im Gegenteil. Aufgrund ihrer Außenseiterrolle beginnen sensitive Frauen schon früh, sich selbst in Frage zu stellen. Besonders in der Pubertät spielt das eigene Aussehen eine große Rolle. Unsere gesellschaftliche Fixierung auf Äußerlichkeiten, Mode und Schönheit hat sich in den letzten Jahrzehnten gesteigert. Dennoch möchte ich behaupten, dass nicht allein die Hochglanzmagazine „Schuld“ sind daran, dass Frauen ihren Körper nicht annehmen können. Denn das Körpergefühl und Selbstbild wird bereits in der Kindheit geprägt.

Mangelnde Selbstliebe und fehlendes Selbstvertrauen führen dazu, dass Frauen ihren Körper nicht annehmen können. So wird der innere Kampf um Liebe auf den Körper verlagert. Doch warum können so viele Frauen sich nicht annehmen, wie sie sind?

Sich selbst durch die Augen der Umwelt zu sehen, macht krank

Je mehr wir uns daran gewöhnen, uns durch die Augen der anderen zu sehen, zu bewerten und zu verurteilen, umso unwohler fühlen wir uns in unserem Körper. Heute wird dieser Druck noch verstärkt, durch die Selfie-Kultur, in der junge Frauen fast täglich Fotos von sich machen und sich somit auch ständig von außen (durch die Linse des Handys) sehen. Und dieses Gefühl strahlen wir dann auch aus. Unsicherheit, Scham, Selbstzweifel, harte Selbstkritik wirken nicht gerade anziehend oder attraktiv.

Fehlende Liebe ist die tiefere Ursache dieses Problems

Unser Gefühl für uns selbst und für Körperlichkeit wird schon in der Baby- und Kleinkindphase geprägt. Zärtlichkeit, Schmusen, Gehaltenwerden sind Grundbedürfnisse jeden Kindes. Je weniger diese erfüllt werden, umso mehr fühlt sich das Kind zurückgewiesen und ungeliebt von den eigenen Eltern. Besonders Mütter, die sich selbst nicht lieben und hübsch finden, sind ihren Töchtern kein gutes Vorbild. So wird die korrekte Frisur oder der perfekt geputzte Schuh bald wichtiger als das eigene, positive Lebensgefühl. Hinzu kommt ein Erziehungssystem, dass Kinder nur dann mit Liebe und Aufmerksamkeit versorgt, wenn sie brav sind und die Erwartungen ihrer Eltern erfüllen. Vielen Kindern fehlt schlicht und ergreifend die positive Aufmerksamkeit ihrer Mütter.

Heute schauen viele junge Mütter lieber auf ihr Handy als in den Kinderwagen! Bitte nehmt Eure Kinder mehr in den Arm, legt das Handy auch mal weg. Eure Kinder haben mehr verdient! Widmet Eure volle Aufmerksamkeit den Kleinen. So könnt Ihr dieses Mangelgefühl bei der nächsten Generation weniger werden lassen.

Jugendliche Mädchen, die in ihrer Ursprungsfamilie nur unzureichend mit Liebe versorgt wurden, finden schnell heraus, dass sie mit weiblicher Attraktivität bewundernde Blicke von Männern ernten können. Daraus kann Sucht ähnliches Verhalten entstehen. So verlagert sich die Sehnsucht nach positiver Aufmerksamkeit von den Eltern zu Gleichaltrigen Jungs in der Schule oder Männern auf der Straße. Doch die tiefe Sehnsucht nach Liebe wird damit nicht erfüllt. Im Gegenteil. Die jungen Frauen spüren ganz genau, dass es um Begehrlichkeiten geht, aber nicht wirklich um sie selbst. So bleibt das Gefühl im Inneren immer noch leer und hohl.

Ein gestörtes Körperbild kann später zu Essstörungen führen

Eskaliert das Drama weiter, kann sich sogar eine Essstörung entwickeln. Darunter liegen oft  tiefgreifende Entwicklungskonflikte, unterdrücke Gefühle, ein Kampf um das wahre Ich.

Bulimie ist die sogenannte Ess-Brech-Sucht, bei der Betroffene Unmengen an Essen in sich hineinstopfen und später willentlich wieder erbrechen. Viele Frauen, die diese Suchterkrankung haben, unterdrücken ihre Gefühle, besonders Aggressionen, deshalb stopfen sie alles in sich hinein, schaden sich selbst, hassen sich selbst.

Magersucht kann bis zu lebensbedrohlichen Zuständen führen, in den der Körper gerade noch so überlebt. Die Menstruation bleibt aus. Der Körper wird zum Skelett, doch die Frauen sehen sich immer noch als „zu dick“. Hinter dieser Erkrankung steht oft der Kampf um das eigene Ich, ein Kampf um Autonomie und Kontrolle über den eigenen Körper und das eigene Leben.

Interessanterweise sind auch immer mehr Jungs von Essstörungen betroffen, was deutlich macht, dass dies kein rein weibliches Problem ist.

Viele Essstörungen lassen sich erst im Kontext der gesamten Familiengeschichte verstehen. Denn solche Erkrankungen erfüllen immer eine Rolle, um gestörte Familienstrukturen zu kompensieren. In diesen Fällen ist eine psychotherapeutische Begleitung erforderlich.

Wie hochsensible Frauen ihren eigenen Körper liebevoll annehmen können

In meinem dritten Buch „Wenn Frauen zu viel spüren“ (Erscheinungsdatum: 1.9.2017 beim Verlag Droemer Knaur) widme ich mich in einem Kapitel ebenfalls diesem Thema. Die Selbstannahme des eigenen Körpers ist die wichtigste Grundlage für eine gesunde Selbstliebe.

Deshalb:

  • Lerne, Dich selbst durch die Augen der Liebe zu betrachten.
  • Du bist so viel mehr als Dein Körper. Wahre Schönheit strahlt aus Deiner Seele.
  • Höre auf, Dich zu verurteilen.
  • Nimm Deinen Körper so an, wie er ist.
  • Entdecke die Schönheit in Dir.
  • Lasse Komplimente von anderen in Dein Herz sinken und nimm sie an.
  • Akzeptiere Dich selbst bedingungslos.
  • Vergib Dir, wenn Du Deinen Körper in der Vergangenheit schlecht behandelt hast.
  • Schreib Dir an Deinen Spiegel: Ich bin schön.
  • Pflege Deinen Körper mit Liebe und Sorgfalt.
  • Betreibe Sport und Yoga nicht mit Leistungsdruck, sondern frage Dich, wie viel Leistung Du gerade erbringen kannst. Bleibe unter der Schmerzgrenze.
  • Nimm Dir Zeit für genügend Schlaf.
  • Iss, was Dir schmeckt. Lerne, das Essen zu genießen.
  • Erlaube Dir, Deine Gefühle frei auszudrücken: durch Bewegung, Tanz, Musik, Malerei, Schreiben usw.
  • Höre auf, Deinen Frust in Dich hineinzufressen. Sprich offen aus, was Dir auf dem Herzen liegt.
  • Unterdrücke Deine Aggressionen nicht länger.
  • Vertraue darauf, dass Du liebenswert bist.
  • Vergib Deinen Eltern für ihre Fehler, wenn Du kannst.
  • Vergib anderen, die Dich gehänselt, verurteilt und verspottet haben.
  • Sei lebendig.
  • Sei dankbar dafür, dass Du einen gesunden Körper hast. Sei dankbar für Deine Stimme, Deine Talente, Deine Augen.
  • Umarme Deine Schwachstellen. Nimm Dich so an, wie Du bist!

Hier gehts zur Seite vom Film

http://www.embrace-derfilm.de/#home

 

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Was meinst Du?

Zum Abschluss möchte ich Dich bitten, hier einen Kommentar zu hinterlassen. Was hat Dir dieser Artikel gegeben? Welche Fragen beschäftigen Dich noch?

Bildnachweis: Beitragsbild; shutterstock_447819865, Waage: shutterstock_54144913

Sylvia Harke

Sylvia Harke

Hallo, Du liest hier meinen Blog zum Thema Hochsensibilität. Ich bin Buchautorin, selbst hochsensibel, Coach und Dipl.-Psychologin. Ich arbeite freiberuflich als Seelen-Dolmetscherin und Schriftstellerin. Mit einer selbständigen Tätigkeit verwirkliche ich meinen Traum von einem selbstbestimmten, kreativen Leben. Ich schreibe über Hochsensibilität, Sensitivität, Erfolg, Beziehungen, Talententwicklung, Kreativität, Selbstverwirklichung und Psychologie.

Hier erfährst Du mehr über mich und meinen persönlichen Weg.

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