Waldbaden:

ein Trend, der an uralte Wurzeln anknüpft

 

Sehnst Du Dich auch nach Ruhe und Stille? Möchtest Du mal wieder richtig tief durchatmen? Zaubert Dir grünes Licht ein entspanntes Lächeln auf Dein Gesicht? Kannst Du Dich gut entspannen, wenn Du dem Rascheln von Blättern im Wind lauschst? Waldbaden ist zum Modebegriff geworden für etwas, das eigentlich uralt ist. Unsere Verbindung mit den Wäldern und Bäumen zeigt sich in Überlieferungen aus den Sagen, in der Naturheilkunde und der keltischen Spiritualität. Deutschland ist das Land der Wälder. Hier sind die  Märchen entstanden, die uns von den einst mächtigen Wäldern und deren Bewohner erzählen. Wenn wir wieder den Zauber der Wälder entdecken wollen, ist es gut, sie aktiv aufzusuchen.

Wann hast Du zuletzt frische Waldluft tief eingeatmet? Die frischen Aromen der Nadelbäume, der intensive Duft des Waldbodens strömen in die Nase und vermitteln uns Ruhe, Entspannung und Gesundheit.  Lies Dir diesen Artikel durch und fahre dann am besten gleich raus in die Natur.

 

Zauberhafte Erinnerungen im Wald, Bäume sprechen zu uns

 

Schon im Vorschulalter verspürte ich eine intensive Anziehungskraft zu Bäumen und dem Wald. Ich stellte mir manchmal vor, ein unsichtbares Haus unter einer Weide zu bewohnen. Mein Vater unternahm mit mir viele Ausflüge in den Wald mit dem Fahrrad. Im Herbst sammelten wir Pilze, im Sommer Kräuter. Als Jugendliche entdeckte ich, dass ich durch das Umarmen von Bäumen Energie aufnehmen konnte, emotional ausgeglichener und ruhiger wurde. Wann immer ich Erholung suchte, ging ich nach der Schule raus in die Natur. Während meiner Abiturzeit fand ich einen versteckten Schlüssel in der Rinde eines Baumes in meiner Heimatstadt Zerbst. Dort gibt es noch viele Parkanlagen mit sehr alten Linden, Buchen, Kastanien, Eichen, Ulmen, Weiden und sogar Zypressen. Der Schlüssel war für mich ein wichtiges Symbol in der Phase meiner Berufsfindung. Ich fühlte mich zu dieser Zeit orientierungslos. Ich war damals hin- und hergerissen zwischen meinen kreativen Träumen und meinem Interesse an Psychologie. Die Entscheidung fällte ich schließlich für das Psychologiestudium.

Viele entdecken ihre Liebe zu Bäumen neu

 

Bücher über den Wald schießen wie Pilze aus dem Boden und landen auf den Bestseller Listen. Als aufmerksame Schriftstellerin beobachte ich den Buchmarkt genau. Ich war freudig überrascht, dass derzeit zwei Bücher sehr erfolgreich sind, die sich intensiv mit Bäumen befassen. Zum einen finde ich den Titel „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben ganz weit oben in den Bestsellerlisten. Auch „Der Biophilia-Effekt“ von Clemens G. Arvay ist sehr populär. Was ist da los? Ich entschlüssele diesen Trend als ein positives Signal für unser kollektives Bewusstsein. In bewegenden, chaotischen Zeiten, wie wir sie heute erleben, sehnen wir uns nach Stabilität, Heimat und Erdung. Genau das schenken uns die Bäume. Wenn wir uns bewusst diesen sanften Riesen wieder zuwenden, können wir inneren Frieden finden.

 

Der Wald als Heiler

 

In seinem sehr interessanten Buch „Der Biophilia Effekt“ stellt Clemens Arvay erstaunliche Forschungsergebnisse vor, die unser Gefühl vom heilkräftigen Wald bestätigen. So legt er dar, dass Bäume „Anti-Krebs-Terpene“ in die Luft abgeben.

 

  • Wer nur einen Tag im Wald verbringt, weist noch 7 Tage danach mehr weiße Blutkörperchen auf, als durchschnittlich üblich ist. (Siehe Seite 33) Die sogenannten Killerzellen bekämpfen Viren, Bakterien und entartete Krebszellen.
  • Besucher, die 2 bis 3 Tage in Wald verweilen, können sogar mit einem Anstieg der weißen Blutkörperchen von bis zu 30 Tagen rechnen. Diese immunologischen Veränderungen unterstützen unseren Körper in der Selbstheilung.
  • Das Grün der Blätter beruhigt das Nervensystem, allein durch die Betrachtung. Das sanfte Rauschen des Windes entschleunigt das Denken und bringt uns zur Ruhe.
  • Clemens empfiehlt, Entspannungstechniken, wie zum Beispiel das Autogene Training, im Wald durchzuführen, um die Wirksamkeit zu vertiefen. Der Autor spricht auch von „Öko-Psychosomatik“ und lädt uns ein, „Körper, Psyche und natürliche Umwelt“ als eine Einheit zu erkennen.

 

Deshalb ist es für Deine Gesundheit und dein Wohlbefinden hilfreich, wenn Du …

 

  • regelmäßig im Wald spazierst oder Nordic Walking machst
  • Waldbaden mit einem Aufenthalt im Wald verbindest, wo Du einige Zeit tief ein und ausatmest
  • in der Nähe eines Waldes einen Campingplatz für Deinen nächsten Urlaub findest
  • ein Haus in der Nähe von Wäldern oder Parkanlagen beziehst
  • Yoga und Meditation im Wald durchführst
  • weißt, wie Du Dich im Wald vor Zecken schützt, um die Natur zu genießen (ich verwende mittlerweile ein Spray mit verdünntem ozonisiertem Öl, mit ätherischen Zusätzen von Nelke oder Schwarzkümmel-Öl oder Neem-Öl)

Bäume in der Naturheilkunde

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Zahlreiche Bäume mit ihren Blättern, Früchten und Rinden werden seit Jahrtausenden als Natur-Medizin verwendet. Denken wir etwa an die schmerzstillende Weidenrinde, die Vitamin-C-reiche Vogelbeere (die Frucht ist nach dem Kochen essbar, bitte nicht roh essen), Rosskastanien, Weißdorn und Holunder. Birkenblätter helfen beim Entschlacken im Frühling, Birkenrinde wird zu Xylit verarbeitet. Ein Leben ohne Bäume ist unvorstellbar.

Eine weitere, wunderbare Möglichkeit, die natürliche Kraft der Bäume zu nutzen, ist die sogenannte Gemmotherapie. Dabei werden die jungen Knospen zu einem öligen Auszug verarbeitet, denn in ihnen steckt noch ganz viel Vitalenergie. Die Tropfen schmecken himmlisch süß, aromatisch und sind voller ätherischer Öle. Genauso interessant sind die Bachblüten, die ebenfalls viele Baumessenzen verwenden. Viele Heilpraktiker verordnen Bachblüten ähnlich wie homöopathische Mittel.

Die Edelkastanie wurde schon von Hildegard von Bingen als vorzügliche Heilfrucht erkannt. Die Früchte wachsen im Herbst heran und werden zu Mehl vermahlen, als Beilagen in Suppen verwendet, in Kuchen gebacken, zu Mus verarbeitet uvm. In der Rohkostszene ist Edelkastanienmehl ein heimlicher Star. Ich selbst verwende es in Smoothies und als Saucenbinder.

In den Alpen wächst die Zirbe, ein Nadelbaum mit beruhigender Wirkung auf das vegetative Nervensystem. Man konnte sogar nachweisen, dass der Schlaf in einem Zirbenholzbett die Herzschläge um 3.490 Takte pro Nacht reduziert. Die Verlangsamung der Herzfrequenz wirkt lebensverlängernd. Die starken ätherischen Öle und Harze des Baumes bewirken eine Verbesserung des Entspannungszustandes über den Vagus-Nerv. Unser stressgeplagtes Nervensystem wird durch die Zirbe unterstützt, von Anspannung auf Entspannung umzuschalten. (Das Geheimnis der Zirbe. Gesund im Schlaf. Von Maximilian Moser)

Unser modernes Wort „Buch“ leitet sich von der „Buche“ ab

 

Im Althochdeutschen finden wir die sprachlichen Wurzeln (noch so eine schöne Verbindung) von „Buch“. Buohhin hieß so viel wie „aus Buchenholz“. Damals wurden aus Buchenholz-Brettchen die ersten Schreibgrundlagen gefertigt. Die Vorläufer unserer heutigen Buchstaben waren die keltischen „Runen“. Sie wurden aus „Buchenstäben“ gefertigt und standen zunächst im Dienst des Orakels und druidischer Magie. Bäume waren für die Kelten beseelt. Unter heiligen Hainen hielten sie ihre Verbindung zur spirituellen Welt, praktizierten ihre Religion. Noch heute ritzen Liebespaare ihre Initialen in Buchenrinden. Auch das Verb „buchen“ steht für schriftliche Verbindlichkeit. Zum Beispiel bei der Hotel- oder Flug-Buchung.

Die tiefe spirituelle Bedeutung der Bäume für uns Menschen

 

Was wir heute modern als „Waldbaden“ bezeichnen und mehr oder weniger als Gesundheitssport in unseren Alltag einbauen müssen, war früher der Lebensraum für unsere Vorfahren. Deshalb ist Waldbaden nur die Aufforderung, an unsere alten Lebensgewohnheiten wieder anzuknüpfen. Wir sind Naturwesen und gehören raus in die Natur, in den Wald. In der Sonne, im frischen Wind und im Grünen kann unser Körper seine Stoffwechselfunktionen optimieren. Unser Gemüt empfindet eine wohlige Zufriedenheit. Doch die Bäume bedeuteten für unsere Vorfahren viel mehr als Kraftspender. Sie waren heilig und standen in Verbindung mit dem Göttlichen.

  • Die Kelten kannten den Weltenbaum „Yggdrasil“, der die Welt der Götter mit der Welt der Menschen verband.
  • Die Kelten pflanzten „heilige Heine“: Baumkreise mit bestimmten Bäumen, die dem Rad des Lebens und der Jahreszeiten entsprechen. Als die Römer den Willen der Kelten brechen wollten, um Nordeuropa zu unterwerfen, ließen sie viele alte, heilige Haine abholzen und andere Kultplätze zerstören
  • Auch in der Bibel lesen wir vom „Baum des Lebens“, sowie vom „Baum der Erkenntnis“.
  • Buddha fand seine Erleuchtung unter dem Bodibaum.
  • In den meisten religiösen Traditionen der Welt spielen Bäume eine wesentliche Rolle. Sie sind tief mit unserem kollektiven Gedächtnis verbunden. Sie bedeuten uns etwas.
  • Auch im erfolgreichsten Film aller Zeiten „Avatar“ von James Cameron wird der Weltenbaum und der Baum als Verbindung zur Urgöttin gezeigt, wahrscheinlich sprechen diese archetypischen Bilder unser Bewusstsein so stark an, dass der Film einen magischen Effekt auf die Zuschauer ausübt und unsere Ursehnsucht nach Natur wieder erweckt.

 

Was ist Deine Verbindung zum Wald? Wie empfindest Du es, wenn Wälder und Bäume in Deiner Nähe abgeholzt werden? Welche spirituelle Bedeutung haben Bäume für Dich? Hinterlasse mir bitte einen Kommentar! Danke.

 

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Sylvia Harke

Sylvia Harke

Hallo, Du liest hier meinen Blog zum Thema Hochsensibilität. Ich bin Buchautorin, selbst hochsensibel, Coach und Dipl.-Psychologin. Ich arbeite freiberuflich als Seelen-Dolmetscherin und Schriftstellerin. Mit einer selbständigen Tätigkeit verwirkliche ich meinen Traum von einem selbstbestimmten, kreativen Leben. Ich schreibe über Hochsensibilität, Sensitivität, Erfolg, Beziehungen, Talententwicklung, Kreativität, Selbstverwirklichung und Psychologie.

Hier erfährst Du mehr über mich und meinen persönlichen Weg.

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